Das ZENTRUM SOZIALWISSENSCHAFTEN (ZSW) umfasst jene Forschungseinrichtungen der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, die sich mit den mannigfaltigen Phänomenen des Verhaltens und des gesellschaftlichen Zusammenlebens der Menschen beschäftigen. Der Begriff „Sozialwissenschaften“ wird in einem inklusiven Sinne verstanden. Die Forschung widmet sich demgemäß neben sozialen Aspekten im engeren Sinn auch verschiedenartigen geistes-, kultur- und sogar naturwissenschaftlichen Fragestellungen. Dieses breite Spektrum lenkt den Blick auf oft vernachlässigte Zusammenhänge und erleichtert die Untersuchung von Grenzbereichen und übergreifenden Problemstellungen. Die Forschungsschwerpunkte liegen auf der Analyse der Veränderungen der Menschen (nach Zahl, Struktur, Verteilung und Verhalten), auf den Beziehungen zwischen Menschen und Raum, sowie zwischen Individuen und Gesellschaft bzw. (politischen) Institutionen.
Ein Themenschwerpunkt liegt in den Beziehungen zwischen Mensch und Umwelt. Das Institut für Stadt- und Regionalforschung (ISR) und das Institut für Gebirgsforschung: Mensch und Umwelt (IGF) widmen sich der Dokumentation, Analyse und Interpretation der regionalen, zwischen- und innerstädtischen Disparitäten der Gesellschaft und der Raumnutzung. Das IGF konzentriert sich dabei auf die Bedeutung des Globalen Wandels für Gebirgsräume, das ISR auf die Veränderungen von Städten und Regionen im nationalen und europäischen Kontext. Am Institut für europäische Integrationsforschung (EIF) ist die Europäische Union zentraler Forschungsgegenstand, wobei den verschiedenen Politikfeldern und ihrer multidimensionalen Zersplitterung im Mehrebenensystem besondere Bedeutung zukommt. Die Befassung mit europäischen Entwicklungen, die am EIF v.a. politikwissenschaftlich analysiert werden, teilt das EIF in Teilaspekten mit anderen Instituten des Zentrums.
Die Beziehungen zwischen Mensch und Gesellschaft bilden einen weiteren Schwerpunkt: Die
Kommission für vergleichende Medien- und Kommunikationswissenschaft (KMK) untersucht
das gesellschaftliche Phänomen der Massenmedien und deren Auswirkungen auf die politische
Kommunikation in der demokratischen Gesellschaft. Das Institut für Europäisches
Schadenersatzrecht (ETL) beschäftigt sich rechtsvergleichend mit dem für das
menschliche Zusammenleben bedeutsamen Schadenersatzrecht, das den Ausgleich erlittener
Nachteile regelt und damit auch menschliches Verhalten lenkt. Schließlich widmet
sich das Institut für Demographie (VID) der Beschreibung, Erklärung und Vorhersage
demographischer Prozesse und ihrer Auswirkungen. Im europäisch vergleichenden Kontext
geht es dabei um die Analyse und Prognose der Veränderung der Bevölkerung nach
Alter, Geschlecht, Bildung, Erwerbsbeteiligung, Religion und anderen relevanten Merkmalen.
Schließlich befasst sich die Kommission für Migrations- und Integrationsforschung
mit internationalen Wanderungen und gesellschaftlichen Eingliederungsprozessen und sieht
dabei die Hauptaufgabe in der Vernetzung und Förderung relevanter Forschung.
Die Vernetzungspotentiale im Zentrum Sozialwissenschaften sind vielfältig und können, ohne Anspruch auf Vollständigkeit, graphisch wie folgt dargestellt werden:

Die Graphik ist nicht statisch zu verstehen. In Anpassung an den gesellschaftlichen Wandel
können neue Fragestellungen und Herausforderungen hinzukommen, auch wird die
Intensität der Pfeile bzw. der thematischen Berührungspunkte und Zusammenarbeit
sich in Anlehnung an forschungspraktische Entwicklungen sowie an die Herausforderungen
des globalen Wandels ständig verändern.
Aus den dargestellten Anknüpfungspunkten werden sich, wie schon bislang, auch in
den kommenden Jahren immer wieder konkrete bilaterale oder auch mehrseitige Kooperationen
innerhalb des Zentrums Sozialwissenschaften der ÖAW entwickeln. Ein Beispiel hiefür
ist die vom Institut für Europäisches Schadenersatzrecht und der Kommission
für vergleichende Medien- und Kommunikationsforschung im Oktober 2008 begonnene
Veranstaltungsreihe „Medien und Recht“. Die Reihe wird in den Jahren 2010
und 2011 fortgesetzt und besteht so aus insgesamt drei Symposien und soll mit der Herausgabe
aller Tagungsvorträge in einer gleichnamigen Publikation abgeschlossen werden.
Im Fokus dieses Mittelfristigen Arbeitsprogramms für die kommende Halbdekade befinden
sich jedoch die gemeinschaftlichen Aktivitäten des Zentrums.
Im Mittelpunkt der gemeinsamen Arbeit 2009 – 2013 sollen die Themenbereiche „Kriterien
der Exzellenz“ und „Evaluierung“ stehen.
Damit befasst sich das Zentrum Sozialwissenschaften mit einem wichtigen Aspekt der gemeinsamen
wissenschaftlichen Arbeit und ihrer Rahmenbedingungen auf der Metaebene. Das Zentrum
beabsichtigt damit einen Beitrag zur laufenden Debatte um valide Exzellenz- und Evaluierungskriterien
zu leisten und fühlt sich dabei als relevante nicht-universitäre Institution
in den Sozialwissenschaften Österreichs gut positioniert.
Jährlich sind ein bis zwei Veranstaltungen in diesem Themenbereich geplant, die
sich jeweils entweder primär an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der ÖAW
bzw. (letzteres vorzugsweise am Rande der jeweiligen Beiratssitzung im Frühling)
an die breitere, auch internationale Öffentlichkeit wenden werden.
Eine Reihe von möglichen Anschlussthemen wurde schon diskutiert, darunter:
„Entwicklungsperspektiven von Exzellenz und Evaluierung im Laufe der Jahrzehnte“: Podiumsdiskussion mit Angehörigen der ältesten Generation der Mitglieder der ÖAW, sowie mit Angehörigen der „Jungen Kurie“ zu Veränderungen im Zeitverlauf, evt. auch exemplifiziert an besonderen Forscherpersönlichkeiten.
„Universitäre Perspektiven auf Exzellenz und Evaluierung“: Podiumsdiskussion mit den Dekaninnen und Dekanen der Sozialwissenschaftlichen Fakultäten Österreichs.
„Konkrete Evaluierungsmaßnahmen in der Wissenschaft und ihre Folgen – Internationale Perspektiven“: Podiumsdiskussion oder Kurzvorträge zu Erfahrungen mit bestimmten Evaluierungssystemen (z. B. in Großbritannien, in den Niederlanden).
„Antragsforschung und Exzellenzkriterien“: Diskussion zu unterschiedlichen Gutachtenskulturen in verschiedenen (Sub-) Disziplinen, mit Angehörigen z.B. des FWF, der DFG, etc.
Denkbar wäre noch eine Vielzahl von Perspektiven (etwa ein Vergleich zwischen Sozial-
und Naturwissenschaften; eine Einbeziehung von osteuropäischen Erfahrungen, etc.).
Die Auswahl späterer thematischer Schwerpunkte soll je nach Ergebnis der vorherigen
Veranstaltung und der dann gegebenen Rahmenbedingungen zu späteren Zeitpunkten erfolgen
und anlässlich der jährlichen Aktualisierung des Forschungsprogramms weiter
spezifiziert werden.
Auf Grundlage der intensiven Befassung mit diesem gemeinsamen Überthema im Rahmen
des Zentrums Sozialwissenschaften der ÖAW (in den oben beschriebenen Veranstaltungen)
sind eine Reihe von positiven Ergebnissen zu erwarten:
Austausch zwischen den Instituten und Disziplinen.
Intensive Diskussions- und Bewusstseinsbildungsprozesse innerhalb der Institute des Zentrums und Anregungen zu optimiertem wissenschaftlichem Output der Mitarbeitenden.
Gestärkter Kontakt mit der Gelehrtengesellschaft und gemeinsames Lernen aus den Erfahrungen verschiedener Generationen.
Einbeziehung von Kontaktpersonen und Expertinnen bzw. Experten auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene.
Enge Kooperation mit den Universitäten durch Beteiligung von deren Angehörigen.
Gesteigerter Bekanntheitsgrad für das ZSW durch eine Serie von (teil-) öffentlichen Veranstaltungen.
Inhaltliche Kooperation mit Angehörigen des Wissenschaftlichen Beirats des ZSW durch Abhaltung von internationalen Veranstaltungen (soweit möglich) am Rande der Beiratstagungen.
Drei große Themenbereiche strukturieren die Forschungsarbeiten des ISR. Sie ergeben sich aufgrund der fachlichen Kompetenz der Mitarbeiter, des institutionellen Forschungsauftrags und der Fragestellungen, die von der Gesellschaft an die Wissenschaft herangetragen werden. Diese Themenbereiche sind nicht mit konkreten Projekten ident, sondern stellen übergeordnete Fragestellungen dar.
Die räumliche Organisation und baulichen Strukturen städtischer Gesellschaften
Der erste große Themenbereich befasst sich mit der Stadt, ihrer baulichen Struktur und Reproduktion sowie mit ihrer funktionellen und sozialen Organisation. Wie ist der physische "Bauplan" der Stadt gestaltet, wie erfolgt Stadterweiterung und Stadterneuerung und welche Veränderungen ergeben sich aktuell aufgrund veränderter politischer, ökonomischer und sozialer Rahmenbedingungen? Nach welchen Prinzipien verteilt sich die Bevölkerung in der Stadt und in welchem Ausmaß verändert eine ethnisch und sozial heterogene sowie eine zunehmend individualisierte Gesellschaft die Stadt? Diese und andere Fragen interessieren das Institut. Projekte, die sich mit der Rolle neuer Kulturinitiativen als Motoren für die Entwicklung der Wiener Außenbezirke befassen, fallen ebenso in diesen Themenbereich wie die Analyse der Plattenbausiedlungen und ihre Sanierung oder Projekte, die sich mit der Zuwanderung in die Stadt befassen, mit den sich daraus ergebenden Konfliktbereichen und mit der Integration in die städtische Gesellschaft. Die Projekte beziehen sich auf Wien, aber auch auf andere Großstädte der entwickelten Welt.
Suburbane und postsuburbane Entwicklungstendenzen
Der zweite Themenbereich befasst sich mit suburbanen und postsuburbanen Entwicklungstendenzen, denn eines der zentralen Phänomene der Stadtentwicklung der Gegenwart und wohl auch der Zukunft ist die zunehmende Verlagerung und Ausbreitung städtischer Lebensweisen und Funktionen in das Stadtumland. Die kompakte Kernstadt löst sich auf und geht in eine neue Siedlungsform über. Die Vorstellung von einem Zentrum, auf das die funktionellen Aktivitäten des Randes gerichtet sind, wird mehr und mehr verdrängt von dem Bild eines polyzentrischen urbanen Gebildes, dessen Interaktionen nicht mehr nur zentralperipher, sondern vielfältig und ohne Richtungsdominanz ablaufen. Neue Begriffe wurden geprägt (Zwischenstadt, urbaner Archipel, Citta diffusa, Stadtland), um auf die historische Neuheit dieser Siedlungsform aufmerksam zu machen. Laufende und zukünftige Projekte, die sich mit einer spezifischen Bau- und Sozialform im Süden Wiens (z.B. Fontana-Park) befassen oder die Entwicklungsprozesse im Westen Wiens aufgreifen ("Stille Suburbanisierung"), zählen zu diesem Themenbereich.
Regionaler Wandel im (östlichen) Europa
Der dritte Themenbereich befasst sich mit Regionalentwicklung im nationalen und internationalen Vergleich. Es geht dabei nicht um die idiographische Analyse einer spezifischen Region, sondern um einen vergleichenden Ansatz, der zu allgemeinen Aussagen über steuernde Faktoren führt. Wie entwickeln sich periphere Räume außerhalb der Agglomerationen in Österreich und - besonders - in seinen östlichen Nachbarstaaten? Welchen Einfluss übt dabei die Europäische Regionalpolitik aus und welche Konsequenzen ergeben sich durch eine zunehmende Integration in einen Europäischen Binnenmarkt? Abermals erscheint der vergleichende Forschungsansatz zielführend. Ähnlich strukturierte Räume (Grenzräume, ländliche Gebiete) werden untersucht, um das Ausmaß an ökonomischen und sozialen Disparitäten zu bestimmen und den Einfluss von Planung und Politik abzugrenzen.
Gemeinsame Projekte
Aufgrund der personellen Verflechtung mit der Kommission für Migrations- und Integrationsforschung
ist die Zusammenarbeit mit dieser Einrichtung des Zentrums naturgemäß am intensivsten.
Das ISR wird sich maßgeblich am 2. Migrations- und Integrationsbericht, der von
der KMI aus organisiert wird, beteiligen und aller Voraussicht nach die Kapitel über
die räumliche Verteilung der ausländischen Wohnbevölkerung, über
deren Wohnsituation und Wohnformen sowie über residentielle Segregation verfassen.
Die Kapiteleinteilung sowie die Autorenauswahl erfolgt in Absprache mit einem Advisory
Board, in dem die finanzierenden Behörden sitzen, und kann daher noch nicht endgültig
festgelegt werden.
Von diesem Projekt abgesehen, werden keine weiteren Projekte mit anderen Einrichtungen
des Zentrums durchgeführt. Dies liegt klarerweise auch darin begründet, dass
die sachlich-disziplinären Überlappungsbereiche der Einrichtungen des Zentrums
nicht so groß sind. Alles andere würde ja auch gegen die strategischen Planungen
sowohl des Klassenpräsidiums als auch der jeweiligen LeiterInnen der Forschungseinrichtungen
sprechen. Wenn jedoch eine stärkere interne Vernetzung erreicht werden soll, um
nach außen hin auch Größen- und disziplinäre Breitenvorteile sichtbar
zu machen, dann kann das ISR folgende Offerte zur Zusammenarbeit stellen:
Das ISR hat seit 1996 systematisch eine Medienbeobachtung zu den Themen Zuwanderung,
ausländische Wohnbevölkerung und Integration aufgebaut. Einschlägige Artikel
in den Zeitungen "Der Standard", "Die Presse" und "Kurier" wurden
archiviert und digital erfasst. Ein Projekt über die "Darstellung der Zuwanderung
und der damit verknüpften Herausforderungen in österreichischen Printmedien" könnte
ein gemeinsames Projekt mit der Kommission für vergleichende Medienanalyse sein.
Das ISR verfügt über umfangreiche digitale Informationen über das gewidmete
und genützte Bauland im Umland von Wien. Für Wanderungsprozesse in das Umland
sind die Verfügbarkeit von Bauland und in weiterer Folge das Angebot von Einfamilienhäusern
und Geschosswohnbauten die entscheidenden Steuerungsfaktoren der Zuwanderung. Die Zuwanderung
wiederum ist - angesichts der niedrigen und regional konvergierenden Fertilität
- die entscheidende Größe der Bevölkerungsentwicklung. Mit dem Institut
für Demographie könnte ein kooperatives Projekt über die Agglomerationsentwicklung
Wiens ausgearbeitet werden, in dem jedes Institut seine spezifischen Qualifikationen
einfließen lässt.
Das ISR befasst sich seit langem mit der internationalen Zuwanderung in die Metropolen
Europas, wobei die strukturellen Fragen nach der Quantität und der gesellschaftlichen
Platzierung der Zuwanderung im Vordergrund stehen. Die Migrations- und Integrationspolitiken
der Städte, die zweifelsohne einen erheblichen Einfluss auf die Quantität und
die Struktur der Zuwanderung besitzen, werden miterfasst. Mit dem Institut für Europäische
Integrationsforschung, welches über eine anerkannte Expertise im Bereich der nationalen
Migrations- und Integrationspolitiken verfügt, könnte ebenfalls ein gemeinsames
Projekt formuliert werden, welches sich vorrangig mit dem gegenseitigen Verhältnis
von lokaler und nationaler Politik befasst.
Die Forschungsstelle wurde 2006 mit dem Ziel gegründet, den Rang Österreichs
in der internationalen Gebirgsforschung auszubauen und auf hohem Niveau nachhaltig zu
sichern. Der Standort Innsbruck, wo sich ein Forschungscluster aus verschiedenen Universitätsinstituten,
einem Kompetenzzentrum und mehreren privatwirtschaftlichen Forschungsbetrieben (KMUs,
Spin-Offs) gebildet hat, bietet hierfür gute Voraussetzungen. Die Forschungsstelle
ist interdisziplinär zusammengesetzt, arbeitet transdisziplinär und ist international
ausgerichtet.
Das Erkenntnisinteresse der Forschungsstelle orientiert sich an den zentralen Fragen
nach der Bedeutung des Globalen Wandels für Gebirgsräume, seiner Auswirkung
auf Mensch und Umwelt, der Bewertung dieser Prozesse sowie der Entwicklung von Strategien,
den Herausforderungen zu begegnen. Diese Fragen strukturieren die Forschung der nächsten
fünf Jahre in zwei Schwerpunkten. Der Themenbereich Klimawandel/ Klimawandelfolgen
wird auf der Grundlage der Daten, die aus den 40 weltweit verteilten GLORIA-Beobachtungsstationen
geliefert werden, die Veränderung von Klima und Ökosystemen dokumentieren und
die Konsequenzen diskutieren. Die bestehenden Netzwerke des GLORIA-Programms und des
GLOCHAMORE Initiative bilden eine gute Grundlage für die internationale Zusammenarbeit
in diesem Fragenkomplex.
Der Themenkomplex Mensch und Umwelt im Gebirge widmet sich den exogen und endogen verursachten
Strukturveränderungen in Gebirgsräumen. Obwohl exogene Faktoren (ökonomische,
politische und kulturelle Globalisierung u.a.) in ähnlicher Weise auf viele Gebirgsräume
einwirken, so sind doch ihre Auswirkungen regional differenziert, auch deswegen, weil
endogene Faktoren (in den Alpen z.B. DeAgrarisierung, Überalterung, Zuwanderung)
in den Gebirgen der Erde unterschiedlich ausgeprägt sind. Dieser Themenkomplex wird
vor allem in den Bereichen Siedlung und Verkehr sowie Ökologie und Nutzung untersucht.
Die bereits entwickelten Monitoring-Instrumente, mit deren Hilfe die Veränderungsprozesse
nach Art und Intensität gemessen werden können, werden in den kommenden Jahren
weiter ausgebaut. Es sind dies die Systeme GLORIA (Global Observation Research Initiative
in Alpine Environments) und GALPIS (Geographical Alpine Information System). Erfreulicherweise
stehen hierfür nationale und internationale Finanzierungen zur Verfügung. Mit
dem EU-Projekt DIAMONT (Data Infrastructure for the Alps: Mountain Orientated Network
Technology) werden neue Instrumente grenzüberschreitender Beobachtungsysteme erstellt.
Während die Phänomene fragmentierter urbaner Entwicklung, sozialräumlicher
Segregation und Privatisierung in Andenstädten in den letzten Jahren soweit untersucht
wurden, dass nun mit der Formulierung von Theorien begonnen werden kann, sollen ähnliche
Arbeiten in europäischen Gebirgen erst begonnen werden. (Hierzu ist ein FWF-Antrag
in Vorbereitung.)
Im Spannungsfeld von Ökologie und Nutzung werden die Projekte zu Biosphärenreservaten
als Modellregionen nachhaltiger Regionalentwicklung in Gebirgsregionen international
weitergeführt. Es geht dabei auch um den Schutz und die nachhaltige Nutzung sensibler
Regionen, u.a. in Schutzgebieten. Die Nachhaltigkeit von alpinen Weitwanderwegen als
Instrument der Regionalpolitik im Sinne der Alpenkonvention wird in einem weiteren EU-Projekt
untersucht (Viadventure). Die Forschungen zur Kulturlandschaft und landschaftsbezogenen
Erzeugungs- und Vermarktungsketten als Motor für die Regionalentwicklung, speziell
in peripheren ruralen Räumen werden weitergeführt.
Der Verkehr, der vielfach als Negativfaktor für Ökosysteme gesehen wird, soll
sowohl im dicht erschlossenen Verkehrssystemen (Transitverkehr und grenzüberschreitender
Nahverkehr in den Alpen) als auch in noch verkehrsfernen Regionen (chilenisch-argentinische
Anden) untersucht werden. Grundlage bilden u.a. die Ergebnisse aus Projekten (EU: MONITRAF,
AlpCity, LFU: INNMONTANA), an denen IGF-Mitarbeiter beteiligt waren bzw. sind.
Zukünftige Forschungsperspektiven
Die IGF wird ihre Strategie der Fokussierung auf wenige, höchst innovative Forschungsthemen auch in Zukunft beibehalten. Ihre methodische Expertise auf den Feldern von Beobachtung und Monitoring, von Datenbankerstellung und Geoinformationsssystemen, die im Bedarfsfall webbasiert, nutzergesteuerter und interaktiv konzipiert werden können, kann in vielen Forschungsfragen genutzt werden und sowohl im Begründungs- als auch im Verwertungszusammenhang einen hohen Mehrwert erbringen und der IGF einen hohen Stellenwert in der scientific community sichern.
Kooperationen und Interdisziplinarität
Sämtliche Themenbereiche sind an der internationalen Forschungsfront der Raumwissenschaften,
insbesondere der Geographie und Ökologie, angesiedelt und daher gleichrangig. Sie
werden sowohl in inhaltlicher als auch in methodischer Sicht neue Erkenntnisse erbringen.
Ferner sollen Ideen für eine nachhaltige Regionalentwicklung in Gebirgen und für
die Bewältigung von sozialen und ökonomischen Problemen des Klimawandels und
von Globalisierung und Transformation entwickelt werden. Neue wissenschaftliche Erkenntnisse,
Ideen und Synergieeffekte sind in hohem Grade von der Intensivierung der bereits vorhandenen
internationalen und interdisziplinären Vernetzung zu erwarten. Die multidisziplinäre
Zusammensetzung des Mitarbeiterstamms in der IGF mit Expertise in Ökologie, Geographie,
Pedologie, Stadtforschung, Verkehrsforschung, Kartographie, Fernerkundung, Geoinformatik
und Kulturlandschaftsforschung erlaubt eine stark interdisziplinäre Behandlung der
Forschungsthemen. Die enge Vernetzung mit Nachbardisziplinen ist daher ein Kennzeichen
der Forschungsstelle, die eng mit der Universitäts-Forschungsplattform Alpiner Raum
zusammenarbeitet. Die bereits vorhandene transdisziplinäre Zusammenarbeit mit politischen
Entscheidungsträgern, Gebietskörperschaften und Planungsbüros sowie den
am Standort ansässigen Spin-Offs wird in Zukunft weiter verstärkt werden.
Internationale Netzwerke bestehen in den genannten Projekten GLORIA und DIAMONT, aber
auch in der wissenschaftlichen Kooperation mit ISCAR (International Scientific Committee
for Alpine Research), mit verwandten Forschungsinstitutionen in den Nachbarländern
(Mountain Research Initiative, Bern; Europäische Akademie, Bozen), über COST-Netzwerke
(C10, A26, A27) sowie der Einbindung in die Editorial Boards von Gebirgsforschungs-Journalen
(Revue de Géographie Alpine, Grenoble; Norte Grande, Santiago de Chile).
In Zukunft sollen, basierend auf den guten Erfahrungen von GALPIS und aus Projekten,
in denen virtuelle Kommunikationstechnologien entwickelt wurden (Virtuelles Projekt Urbanisierung,
Lateinamerika Online, Teaching Tool COMET) die neuen Techniken verstärkt für
die Kooperation mit internationalen Partnern eingesetzt werden. Die Strategie der IGF
ist darauf gerichtet, die internationale Vernetzung auch in Zukunft beizubehalten oder
sogar noch zu verstärken. Neue Partnerinstitutionen wurden in Mexiko, Argentinien
und Chile gefunden, die Zusammenarbeit mit der UNESCO wird weiter intensiviert werden.
Gemeinsame Initiativen mit anderen Instituten des Zentrums und mit ÖAW-Einrichtungen außerhalb des Zentrums
Kooperationspotentiale ergeben sich mit:
1. Forschungsstelle für Europäisches Schadenersatzrecht
Angedacht ist die gemeinsame Durchführung einer international besetzten Tagung zum
Problemkreis "Naturkatastrophen und Schadenersatz", auf der vor allen Risikoszenarien
im Gebirgsraum diskutiert werden könnten.
2. Institut für Stadt- und Regionalforschung
Angedacht ist die gemeinsame Durchführung einer Tagung oder eines Workshops zu Fragen
der Urbanisierung, Suburbanisierung und Post-Suburbanisierung im Gebirgsraum. Unabhängig
vom Zentrum bestehen bereits Kooperationen mit folgenden anderen Einrichtungen der ÖAW,
die fortgesetzt werden sollen:
3. Institut für Österreichisch Dialekt- und Namenslexika
Zuarbeit und Zusammenarbeit bei der technischen Implementierung eines GIS-Systems für
Dialekte in den Ostalpen (Projekt ALPKULTUR).
4. Kommission für interdisziplinäre ökologische Studien (KIÖS)
Intensive Zusammenarbeit im Projekt Umwelt-Wien. Herausgabe eines Bandes zur Naturgeschichte
Wiens.
5. Österreichisches Nationalkomitee Man & Biosphere
Leitung des Projektes Weissbuch der österreichischen Biosphärenparks und des
Projektes Qualitätssicherung österreichischer Biosphärenparks. Weitere
Projekte sind in Vorbereitung.
Diese Aufzählung macht deutlich, dass die Außenkontakte der IGF stärker
sind als die Binnenkontakte im Zentrum. Dies liegt an dem stark interdisziplinären
Ansatz der Forschungsstelle, die sich in gleicher Weise den Natur-, Sozial- und Geisteswissenschaften
verbunden fühlt. Es ist zu betonen, dass die Forschungsstelle der Gesamtakademie
zugeordnet ist.
2007 wurde eine Reform des Instituts für europäische Integrationsforschung beschlossen. Unter neuer Leitung ist das Institut nun seit 1. Januar 2008 - als einziges Forschungsinstitut in Österreich - der politikwissenschaftlichen Grundlagenforschung zur europäischen Integration gewidmet.
Das neue Arbeitsprogramm legt den Schwerpunkt auf die verschiedenen Politikbereiche der Europäischen Union und auf ihren analytischen Vergleich. Konkretisiert anhand der EU zielt dieser auch international innovative Ansatz auf allgemeine Grundsatzfragen des politischen Gestaltens in Mehrebenensystemen ab, wie etwa genuine Problemlösungspotentiale aber auch spezifische Blockadeanfälligkeiten der supranationalen Politik.
Innerhalb dieses Themenbereichs, der im 21. Jahrhundert für Österreich und Europa, aber letztendlich auch global von eminenter Bedeutung ist, werden drei ineinander greifende Forschungsfelder bearbeitet: erstens die innengerichteten Politik der EU etwa zu Wettbewerb, Umwelt und Soziales; zweitens die EU als außenorientierter oder globaler Akteur mit speziellen Einflusschancen, Koordinierungsproblemen aber auch Abhängigkeiten; und drittens die oft mangelhafte Durchsetzung verschiedener Formen von EU-Politik in der Praxis sowie die resultierenden Europäisierungseffekte auf nationaler Ebene.
Überblicksdarstellung der zentralen Forschungsfelder:

EU-Politikfelder sind als Untersuchungs- und Vergleichseinheiten wichtige Bezugspunkte der Forschungsarbeit des Instituts für europäische Integrationsforschung, weil die europäische Integration kein einheitliches Phänomen darstellt. Als wesentliches Charakteristikum weist sie vielmehr bedeutende Unterschiede zwischen verschiedenen Aktivitätsfeldern der Europäischen Union auf. Politikfeld-spezifische Differenzen zu berücksichtigen eröffnet die Möglichkeit, durch systematisch vergleichende Gegenüberstellung entscheidend zum besseren Verständnis des europäischen Mehrebenensystems beizutragen. Zentrale Forschungsfragen können so leichter in aufbauenden, variabelorientierten Studien bearbeitet werden, z.B.:
Die differenzierte Betrachtung einzelner EU-Politiken und der anhand von spezifizierten Variablen strukturierte Vergleich sind wertvolle Instrumente zur Entwicklung einer Theorie der politischen Gestaltung und der Problemlösungsfähigkeit in Mehrebenensystemen am Beispiel Europas.
Drei große organisatorische Aufgaben strukturieren die Arbeit der KMI. Sie ergeben sich aufgrund des institutionellen Forschungsauftrags sowie der langfristigen, internationalen Kooperationsvereinbarungen.
1. Betreuung des Exzellenznetzwerks IMISCOE
Die KMI koordiniert die Teilnahme der Institute für Stadt- und Regionalforschung
sowie für Europäische Integrationsforschung der Österreichischen Akademie
der Wissenschaften am Europäischen Exzellenznetzwerk IMISCOE ("Immigration,
Integration and Social Cohesion in Europe"). Ziel dieses Netzwerks, das im April
2004 seine Tätigkeit aufgenommen hat, ist die Integration der europäischen
Migrationsforschung. Durch den freiwilligen Zusammenschluss von derzeit 22 Forschungsinstitutionen
in 12 europäischen Staaten wird eine verbesserte Abstimmung der Forschungsprogramme
und eine stärkere Kooperation im Rahmen internationaler Forschungsprogramme erreicht.
IMISCOE setzt damit am Beispiel der Migrations- und Integrationsforschung um, was allgemein
als europäische Vision gilt: die Überwindung der nationalen Grenzen und die
Schaffung eines gemeinsamen europäischen Raums für Forschung und Entwicklung.
IMISCOE selbst ist unterteilt in insgesamt 9 thematische Cluster, die anhand konkreter
Fragestellungen gemeinsame Forschungsperspektiven erarbeiten. Die Aufgabe der Cluster
ist die Organisation gemeinsamer Treffen, auf denen Ergebnisse präsentiert und die
weiteren Forschungsaktivitäten abgesprochen werden. Von diesen 9 Clustern leitet
formell sowohl das EIF als auch das ISR jeweils einen, organisatorisch betrachtet jedoch
die KMI beide. Daraus ergeben sich unzweifelhaft Vorteile, denn die KMI hat durch diese
Form der Mehrfachorganisation ein hohes Maß an Professionalität gewonnen.
2. Migrations- und Integrationsbericht
Der zweite organisatorische Schwerpunkt befasst sich mit der Herausgabe des zweiten Österreichischen Migrations- und Integrationsberichts. Der erste Österreichische Migrations- und Integrationsbericht (erschienen 2003; herausgegeben von H. Fassmann und I. Stacher) erwies sich als ausgesprochen erfolgreich. Er hat sich als Standard- und Nachschlagewerk etabliert, die erste Auflage ist so gut wie vergriffen. Die Publikation des zweiten Berichts ist für das Jahr 2007 geplant. Er wird den gleichen Anspruch erheben wie der erste, eine umfassende und aktuelle Berichterstattung über unterschiedliche migrations- und integrationsrelevante Themen zu bieten. Die KMI hat im Jahr 2005 erste konzeptionelle Arbeiten zu diesem Bericht durchgeführt und begonnen, die Finanzierung des Berichts zu klären. Inzwischen sind verbindliche Zusagen von drei Ministerien eingetroffen, Verträge wurden unterzeichnet und ein Advisory Board eingesetzt. Die KMI wird Subaufträge an andere ÖAW-Einrichtungen vergeben, aber auch außerhalb der Akademie Kooperationspartner suchen.
3. Vernetzungsaktivitäten
Der dritte Aufgabenbereich befasst sich mit allgemeinen Vernetzungsaktivitäten. Die Initiative zur Gründung der KMI ging bekanntlich auf die Ergebnisse einer Evaluierung der österreichischen sozialwissenschaftlichen Forschungsleistungen durch das BMBWK im Jahr 2002 zurück, welche die Migrationsforschung in Österreich als ein Forschungsfeld mit hohem Potenzial bewertet, jedoch eine starke Dominanz der Anwendungsorientierung, Schwächen im Bereich der Grundlagenforschung und die Zersplitterung der Institutionen und Akteure feststellte. Die offene Weitergabe von Informationen stellt eine wesentliche Maßnahme dar, um diese konstatierte Zersplitterung zu beheben. Die Vernetzungsaktivitäten der ÖAW-internen und der nationalen Forschungsszene werden ebenfalls in Zukunft eine wichtige Aufgabe darstellen. Vorträge und Seminare werden veranstaltet sowie interessante und relevante Beiträge in der Reihe "KMI Working Papers" veröffentlicht.
Gemeinsame Projekte
Die Gemeinsamkeit herzustellen, ist die "raison d'etre" der KMI. Die KMI will
dabei jedoch nur koordinieren, vermitteln und insgesamt ein loyaler Makler von Interessen
sein, aber nicht als zusätzlicher Wettbewerber auf dem Drittmittelmarkt auftreten.
Was die KMI anbieten kann ist zweierlei:
Die Annahme von Interessensbekundungen zur Mitarbeit am zweiten Migrations- und Integrationsbericht:
Es kann sich deshalb nur um eine Annahme von Interessensbekundungen handeln, weil die
konkrete Autorenauswahl erst in Absprache mit einem Advisory Board, in dem die finanzierenden
Behörden sitzen, erfolgen wird. Aber es ist klar, dass die Institutionen des Zentrums
für sozialwissenschaftliche Forschung der ÖAW immer Erstinformationen erhalten
werden.
Die Organisation von einschlägigen Tagungen, Konferenzen und Symposien aus dem Bereich
der Migrations- und Integrationsforschung: Die KMI steht dabei als "Ressource" allen ÖAW-internen
Institutionen zur Verfügung. Gleiches gilt für die Weitergabe von Informationen über
Neuerscheinungen, offene Stellen, Ausschreibungen oder sonstige Aktivitäten über
das etablierte Netz der KMI.
Seit der Entstehung der Massenpresse prägen die Medien die politische Kommunikation
in der demokratischen Gesellschaft. Diese Beziehung zu untersuchen und ihre potentiellen
gesellschaftlichen Auswirkungen im historischen wie transnationalen Vergleich zu präzisieren,
gehört zu den zentralen Aufgaben der Kommission für vergleichende Medien- und
Kommunikationsforschung.
Die Auswahl der Themen in den beiden Forschungsfeldern der Kommission - Medien und politische
Kommunikation in Österreich und im europäischen Vergleich - orientiert sich
am internationalen Trend der Kommunikationswissenschaft zu einer Intensivierung von Makro-
und Mesoanalysen, zur Fokussierung auf die Interpretationsleistung der Massenmedien und
zu komparativen Designs.
Das der Forschungstätigkeit zugrunde liegende Drei-Säulen-Modell umfasst die
institutionelle Dimension der Medienproduktion, die kulturell-symbolische Dimension der
massenmedial vermittelten Inhalte und die Dimension der Medienrezeption, wobei besonderes
Augenmerk auf die Analyse von Interdependenzen zwischen den Dimensionen liegt. Bei der
Umsetzung der Fragestellungen kommt es zur Einbindung theoretischer Ansätze benachbarter
Disziplinen wie der Sozialpsychologie, der Politikwissenschaft und der Wirtschaftswissenschaften.
Eingebettet in nationale und internationale Netzwerke, erfolgen die - auch inhaltlich
stark vernetzten - Forschungsarbeiten entweder in Kooperation mit Partnerinstitutionen
oder in engem Erfahrungsaustausch mit einschlägig arbeitenden WissenschaftlerInnen.
Forschungsaktivitäten
Die seit der Gründung der Kommission (1994) durchgeführten Analysen des strukturellen
und organisatorischen Wandels der österreichischen Presse reichen von der Entstehung
der Massenpresse im ausgehenden 19. Jahrhundert bis zur gegenwärtigen Situation
als Teil eines sich stark verändernden Medienmarkts. Gemäß dem jeweiligen
politisch-kulturellen Umfeld wird die österreichische Entwicklung im Vergleich zu
den Kronländern der Habsburgermonarchie, zur Weimarer Republik oder "in jüngster
Zeit" im Kontext eines zunehmend integrierten Europas gesehen. Mit den langjährigen
Forschungen der Kommission liegen erstmals fundierte Daten zur österreichischen
Presseentwicklung, zu Marktstrukturen und Konzentrationsprozessen vor, die mit Hilfe
von Zeitungsstichtagserhebungen (wie sie in Deutschland seit über fünfzig Jahren,
in Österreich aber erst seit 2003) von der Kommission durchgeführt und im Zuge
eines regelmäßigen "Monitorings" laufend aktualisiert werden. Mit
der für das Frühjahr 2007 geplanten zweiten Stichtagssammlung ist nicht nur
eine Ausweitung auf den - in jüngster Zeit boomenden - Wochenzeitungsmarkt, sondern
auch eine Vertiefung der Analysen vorgesehen. Sie werden sich sowohl auf die Marktstrukturen
als auch auf das Verhalten der Marktteilnehmer und des Medienpublikums beziehen. Zusätzliche,
in Kooperation mit anderen kommunikationswissenschaftlichen Forschungseinrichtungen in Österreich
durchgeführte Projekte betreffen aktuell die Einführung einer neuen Tageszeitung
und die Neugründung eines Gremiums zur Selbstregulierung in Österreichs Printmedien.
Im Rahmen des Mittelfristigen Forschungsprogramms soll dieser Schwerpunkt in ein umfassenderes
theoretisches Konzept gestellt werden, das sich mit Fragen der Vielfaltssicherung in
der Mediengesellschaft auf Angebots- und Nutzungsebene befassen wird. Als notwendige
Voraussetzung für die Einbindung der Rezipientenseite wird sich eine erste Grundlagenstudie
mit Mediennutzungstrends im digitalen Zeitalter beschäftigen. Dem Schwerpunkt ist
ein Beirat zugeordnet, in dem sämtliche österreichischen kommunikationswissenschaftlichen
Institute und wichtige Organisationen aus der Medienpraxis vertreten sind.
Die Ergebnisse der Marktanalysen fließen auch in den Schwerpunkt Massenmedien und
Wahlen in Österreich ein, zu dessen forschungsleitenden Interessen die Frage nach
den Auswirkungen der strukturellen Veränderungen des Medienmarkts auf die Kommunikationsleistung
der Medien in der politischen Kommunikation gehört. Nachdem sich die bisherigen
Studien - im Vergleich zur Weimarer Republik - auf die Fragmentierung der politischen
Kultur in der Ersten Republik und den Aufstieg des Nationalsozialismus konzentriert haben,
werden die Forschungsarbeiten in den nächsten Jahren auf die Zweite Republik ausgedehnt.
Zuerst wird der Zeitraum von 1966 bis 2006 im Mittelpunkt stehen, da er von tief greifenden
Veränderungen sowohl des Parteiensystems und der politischen Kräfteverhältnisse
als auch des Mediensystems und der Rolle der Medien im Wahlkampf gekennzeichnet ist.
Erstmals in Österreich wird im Rahmen dieses Projekts das Verhältnis von Parteien
und Medien (Presse und Fernsehen) in der modernen Wahlkommunikation längerfristig
untersucht. Der gewählte methodische Ansatz des Agenda-Building und die Definition
der Indikatoren (wie z.B. Personalisierung und Negativismus) sollen die Vergleichbarkeit
der Ergebnisse mit internationalen Studien gewährleisten.
Forschungsfeld Medien und politische Kommunikation im europäischen Vergleich
Seit dem ausgehenden 20. Jahrhundert geraten die Massenmedien zunehmend in das Spannungsfeld
zwischen Internationalisierung von Wirtschaft und Politik, nationalen Handlungsräumen
und einer Lokalisierung der Lebenswelten. Der damit verbundenen Notwendigkeit transnational
vergleichender Forschung hat sich die Kommission insofern stets verpflichtet gefühlt,
als sie ihre Studien von vornherein auf internationale Vergleichbarkeit hin angelegt
hat, was u.a. zur Teilnahme am Projektverbund Europäische Pressemärkte führte.
Ziel dieser vom Institut für Journalistik und Kommunikationsforschung Hannover initiierten
europaweiten Kooperation ist es, einheitliche Maßstäbe für die Analyse
von Pressemärkten zu entwickeln, da die vorliegenden statistischen Angaben auf unterschiedlichen
nationalen Standards beruhen. Die Ergebnisse der ersten Projektphase sind in Band 1 der
Neuen Folge der im ÖAW-Verlag erscheinenden Buchreihe Relation: Beiträge zur
vergleichenden Kommunikationsforschung veröffentlicht. Eine zweite Projektphase
wird 2007 anlaufen. Weitere zugeordnete Projekte befassen sich dzt. mit der Positionierung
des österreichischen Mediensystems im westeuropäisch-nordamerikanischen Kontext
anhand der von Hallin und Mancini entwickelten Modelle und mit einem Vergleich der Qualitätszeitungen
in Deutschland und Österreich.
Aufbauend auf diesen europäisch vergleichenden Mediensystemanalysen fokussiert der
vierte große Forschungsschwerpunkt der Kommission auf die Rolle der Medien in der
europäischen politischen Kommunikation. Diese ist deshalb so brisant, als ein "Staat
von Nationalstaaten", wie Jürgen Habermas die Vision Europa benannt hat, zwar
vor der Herausforderung steht, die für seine Entwicklung notwendigen Voraussetzungen
einer europäischen Bürgergesellschaft, einer europäischen Öffentlichkeit
und einer europäischen politischen Kultur schaffen zu müssen, aber dafür
auf keine tradierten, supranational wirksamen Mechanismen zurückgreifen kann. Ein
erstes, 2004 angelaufenes Projekt geht am Beispiel der Berichterstattung über die
Wahl des US-Präsidenten im November 2004 den Voraussetzungen und Ausprägungen
einer massenmedial vermittelten europäischen Öffentlichkeit nach und greift
damit den häufig von der kommunikationswissenschaftlichen Forschung vernachlässigten
außenpolitischen Bereich in seiner Bedeutung für den europäischen Integrationsprozess
auf. Anlass der Untersuchung sind die in jüngster Zeit von beiden Seiten immer wieder
behaupteten Unterschiede in den politischen und weltanschaulichen Orientierungen der
transatlantischen Partner. Im Mittelpunkt stehen Fragen der transnationalen Vernetzung
der Medienkommunikation und der Vermittlung von Wertmaßstäben in der Berichterstattung.
Der methodische Zugang baut auf den kommunikationswissenschaftlichen Modellen des "inter-media
agenda-setting" und "attribute agenda-setting" auf, die mit Hilfe zweier
- an der Kommission für die Medienanalyse adaptierter - Ansätze aus der Sozialpsychologie,
der Soziometrie und der Attributionstheorie, operationalisiert wurden. Der am Beispiel
der US-Wahl untersuchte Beitrag der europäischen Leitmedien zur Vernetzung nationaler Öffentlichkeitsarenen
wird in begleitenden, auf Österreich bezogenen Forschungsprojekten um Aspekte der
Themendiffusion und -diskussion innerhalb nationaler Mediensysteme ergänzt.
Kooperationen innerhalb des Zentrums für Sozialwissenschaften
Die Kommission hat stets die Zusammenarbeit mit anderen Forschungseinrichtungen der Akademie, wie mit der Kommission für die Geschichte der Habsburgermonarchie oder dem Österreichischen Biographischen Lexikon, gepflegt. Ausgangspunkt waren stets gemeinsame Forschungsinteressen, die es im Rahmen des neu gegründeten Zentrums für Sozialwissenschaften zuerst abzuklären gilt. Dafür sind gemeinsame Workshops mit anderen Einrichtungen des Zentrums geplant. Einer dieser Workshops soll sich mit Perspektiven internationaler Medienforschung befassen und ist für die erste Jahreshälfte 2007 in Vorbereitung. Er wird vom Institut für europäische Integrationsforschung gemeinsam mit der Kommission für vergleichende Medien- und Kommunikationsforschung organisiert, wendet sich aber an alle Forschungseinrichtungen des Sozialwissenschaftlichen Zentrums wie auch an angrenzende Einrichtungen der ÖAW, an denen zu Medienfragen in transnationaler Perspektive geforscht wird. Von zusätzlich eingeladenen internationalen WissenschaftlerInnen werden Anregungen für künftige Möglichkeiten der Zusammenarbeit innerhalb und außerhalb der ÖAW erwartet. Zur Finanzierung des Workshops wird ein Sonderbudget der ÖAW beantragt.
Die erste Phase des langjährigen Hauptprojekts "Principles of European Tort
Law" wurde im Jahre 2005 mit der Veröffentlichung des kommentierten Entwurfs
eines gesamteuropäischen Schadenersatzrechts und einer internationalen Tagung in
Wien abgeschlossen. In den kommenden Jahren werden Diskussionsveranstaltungen in mehreren
Ländern organisiert, um die Principles international bekannt zu machen und gleichzeitig
Anregungen für die Weiterführung des Projektes zu gewinnen. Spätestens
2010 wird die nächste Phase der Arbeit an den Principles beginnen: Einerseits sind
noch einige Themen (z.B. Beweislast, Verjährung) abschließend zu erörtern,
andererseits gilt es, einen Besonderer Teil auszuarbeiten. Es soll auch begonnen werden,
jene rechtsvergleichenden Studien, welche unverzichtbare Grundlage der Arbeiten an den
Principles sind, neu aufzulegen: Die Studien werden nicht nur aktualisiert, sondern es
wird - entsprechend der Erweiterung der EU - auch eine größere Anzahl von
Rechtsordnungen als bisher einbezogen.
Das langfristige, im Jahre 2003 begonnene und vom FWF unterstützte Projekt "Nationale
Judikatur und europäisches Schadenersatzrecht" ist als Ergänzung zum Projekt "Principles
of European Tort Law" konzipiert: Um nach der Einführung eines einheitlichen
europäischen Schadenersatzrechts nicht auf den reichen Erfahrungsschatz der bisherigen
nationalen Rechtsprechungen verzichten zu müssen, werden grundlegende Entscheidungen
zu den wichtigsten schadenersatzrechtlichen Aspekten dogmatisch und rechtsvergleichend
aufgearbeitet. Eine erste Untersuchung zu Fragen der Kausalität steht kurz vor der
Veröffentlichung, weitere Bände (z.B. zu Schaden, Rechtswidrigkeit) sind geplant.
Ebenso weitergeführt wird auch das vom Jubiläumsfonds der Österreichischen
Nationalbank geförderte Projekt "Gemeinschaftsrecht und Deliktsrecht",
welches die Auswirkung ausgewählter Richtlinien der Europäischen Union auf
die nationalen Haftungsrechte untersucht. Das Projekt wird voraussichtlich bereits im
Jahre 2007 abgeschlossen werden.
Zudem wurde bereits im Jahre 2005 mit der Arbeit am Projekt "Human Rights and Tort
Law" begonnen, in dessen Rahmen die schadenersatzrechtliche Rechtsprechung des Europäischen
Gerichtshofs für Menschenrechte methodologisch und rechtsvergleichend in Zusammenwirken
mit Mitgliedern des Gerichtshofs untersucht wird.
Im März 2006 hat das Institut von der EU-Kommission den Zuschlag zur Erstellung
einer Studie zur "Haftung für reine Vermögensschäden infolge von
Vermischung von konventionellem mit gentechnisch verändertem Saatgut" erhalten.
Diese Studie wird einen Überblick über den status quo der Haftungsrechte aller
EU-Mitgliedsstaaten zur Frage bieten, ob und wie gehaftet wird, wenn sich gentechnisch
verändertes Saatgut mit konventionellem Saatgut auf Nachbargrundstücken vermischt.
Für das Jahr 2008 plant das Institut den Beginn einer interdisziplinären Studie über
die "Auswirkungen knapper Finanzmittel auf die Sorgfaltspflichten und damit die
Haftung der Krankenhäuser". In dieser Untersuchung werden einerseits auch straf-, öffentlich-
und sozialrechtliche sowie rechtsethische Aspekte berücksichtigt, andererseits Ärzte,
Gesundheitsökonomen und Krankenhausleiter eingebunden.
Einen besonderen Akzent im Forschungsprogramm wird ein Projekt im Rahmen des Kooperationsabkommens
mit der Koreanischen Forschungsgemeinschaft für europäische Rechtswissenschaft
setzen: Es sollen die europäischen Grundlagen des heutigen koreanischen Schadenersatzrechts
herausgearbeitet werden.
Im Rahmen des Kooperationsabkommens mit dem Europäischen Zentrum für Schadenersatz-
und Versicherungsrecht (ECTIL) wird die Forschungsstelle an mehreren theoretisch höchst
interessanten, für die Versicherungsbranche überaus relevanten Projekten mitarbeiten:
Im Jahre 2006 wurde eine schadenersatz- und versicherungsrechtliche Untersuchung der
Haftung für Dauerschäden und der damit verknüpften haftpflichtversicherungsrechtlichen
Probleme begonnen. Diese untersucht rechtsvergleichend die Relevanz der Grenzziehung
zwischen einem einzigen Schaden und einer Mehrheit von Schäden in den Bereichen
des Schadenersatzrechts, der Prozessrechts und des Versicherungsrechts.
Ein weiteres Kooperationsprojekt wird sich mit den unterschiedlichen Formen der Entschädigung
(Kapital oder Rente) zum Ausgleich von Personenschäden befassen. Wie schon Tradition
wird die Forschungsstelle gemeinsam mit dem ECTIL auch in den nächsten Jahren eine "Annual
Conference on European Tort Law" abhalten und einen Tagungsband, das Jahrbuch "European
Tort Law", veröffentlichen. Das Projekt bietet einen Überblick über
die aktuellen Entwicklungen des Schadenersatzrechts in etwa 30 europäischen Rechtsordnungen.
Dadurch sollen zwei Grundsvoraussetzungen für eine erfolgreiche Harmonisierung des
europäischen Schadenersatzrechts gefördert werden, nämlich die Kenntnis
der anderen Rechtsordnungen und das Verständnis für deren Probleme, Denkweise
und Lösungen.
Projekte im Rahmen des Zentrums für Sozialwissenschaften der ÖAW
Eine Konferenz nebst Tagungsband in Zusammenarbeit mit dem Institut für Europäische
Integrationsforschung zum Thema "Vereintes Europa - vereinheitlichtes Recht?" wurde
bereits 2007 durchgeführt. Die Tagung hat tiefere Einblicke in die Rechtsvereinheitlichung
aus politikwissenschaftlicher, rechtsökonomischer und privatrechtlicher Sicht geboten.
Zudem soll 2008 in Innsbruck zusammen mit der Forschungsstelle für Gebirgsforschung
ein Symposium zu Fragen des Schadensausgleichs bei Naturkatastrophen in den Alpen veranstaltet
werden.
Schließlich ist in Zusammenarbeit mit der Kommission für Medien- und Kommunikationsforschung
eine Untersuchung des Einflusses der Medien auf die Meinungsbildung und die Verpflichtungen
der Medien zur wahrheitsgemäßen Berichterstattung angedacht.
Darstellung der Hauptzielrichtungen des Forschungsprogramms nach Forschungsgruppen:
Demographie Östereichs
Themenbereiche: (1) Fertilität, Familie und Sozialpolitik, (2) Migration und Integration
von Immigranten, (3) Mortalität, Morbidität und demographische Alterung, (4)
Historische Bevölkerungstrends sowie (5) Qualifikationsstruktur der Bevölkerung.
Schwerpunkt 1: Demographisches Monitoring-System (DMS)
Wissenschaftlich fundierte Beobachtung der Fertilitätsentwicklung und ihrer Determinanten:
Geburtenbarometer: Indikatoren zur aktuellen Schätzung des tempobereinigten Geburtenniveaus mit Hilfe des "Period Average Parity (PAP)" Konzeptes. Zur Erklärung monatlicher und jährlicher Fertilitätsindikatoren sollen in Zukunft Zeitreihen sozialer, ökonomischer, familienpolitischer, etc. Variablen herangezogen werden.
Longitudinalstudie "Kinderwunsch und Wirklichkeit" ("KiWi"): in drei Wellen (weit über 2010 hinausgehend), diese Studie stellt den österreichischer Beitrag zum internationalen "Generations-and-Gender-Programm (GGP)" dar.
biographische Datenbank demographischer Ereignisse: Daten über die natürliche Bevölkerungsbewegung der letzten Jahrzehnte (und der kommenden Jahre) sollen mit individuellen Lebensläufen verknüpft werden und für Österreich neue Perspektiven der bevölkerungswissenschaftlichen Forschung eröffnen.
Schwerpunkt 2: Mortalität, Morbidität und demographische Alterung
Analysen der Trends differentiellen Mortalität und Morbidität in Österreich
Schaffung einer Datenbasis für die Analyse der sozioökonomischen und demographischen Ungleichheiten in der Sterblichkeit
Analysen der Daten aus dem internationalen Projekt SHARE (Survey on Health, Ageing and Retirement in Europe). Geplante Forschungsschwerpunkte sind die Analyse des Gesundheitszustand und Gesundheitsverhalten, Erwerbsbeteiligung im Alter und Übergänge in den Ruhestand, Familienstrukturen und intergenerationelle Beziehungen sowie Pensionsfinanzierung und Transfers
Komparative europäische Demographie
Themenbereiche: (1) Niedrige Fertilität und Aufschub von Geburten in höheres Alter in Europa, (2) Fertilität und Familie im Kontext interdependenter Lebensverläufe, (3) Bevölkerungsalterung und Übertritt aus dem Erwerbsleben in den Ruhestand sowie (4) Migration und Ethnizität in Europa.
Schwerpunkt 1: Niedrige Fertilität und Aufschub von Geburten in höheres Alter in Europa
Aufbau einer Fertilitätsdatenbasis für europäische Länder zur Gewinnung eines umfassenden Bildes der Fertilität in Europa, inkl. einer Detailanalyse der Fertilitätsniveaus, paritätsspezifischer Unterschiede in der Fertilität, der Geburtenintervalle und des Timings der Fertilität.
Fortsetzung der Studien in methodologischer und analytischer Hinsicht zu Veränderungen im Timing (Tempo) der Fertilität
Erforschung der späten Elternschaft basierend auf der Kombination von makroanalytischen mit mikroanalytischen Ansätzen
Schwerpunkt 2: Fertilität im Kontext von Lebensläufen
besseres Verständnis der Fertilität im Kontext der interdependenten Dimensionen individueller Lebensläufe in europäischen Ländern
Untersuchung der Einflüsse politischer Maßnahmen, die es jungen Leuten früher im Leben ermöglichen würden, eine Familie zu gründen
Bevölkerungsdynamik und prognose
Themenbereiche: (1) Entwicklung eines Computerprogramms für probabilistische Bevölkerungsprognosen, (2) Entwicklung eines Computerprogramms für Multi-Status-Prognosen, (3) Bevölkerungsprognosen für verschiedene Länder und deren sozioökonomische und politische Konsequenzen, (4) Humankapitalprognosen, (5) Prognosen des Gesundheitszustandes der Bevölkerung, (6) Prognosen von Minderheitenbevölkerungen
Schwerpunkt 1: Probabilistische Prognosen
Simulationsanalyse: stochastische Modellierung von einander überlagernden kurz- und langfristigen Fluktuationen demographischer Komponenten
Schwerpunkt 2: Multi-Status-Analyse und -Prognose
Analyse und Prognose der Bevölkerung nach der höchsten abgeschlossenen Ausbildung
Multi-Status-Analysen und -Prognosen des Gesundheitszustandes der Bevölkerung sowie ihrer ethnisch-linguistisch-religiösen Zusammensetzung
Bevölkerungsökonomie
Themenbereiche: (1) Alters- und verweildauerstrukturierte Modelle, (2) Agentenbasierte Modellierung und soziale Interaktion in der Demographie, (3) Demographische Alterung und Arbeitsmarkt, (4) Interaktion demographischer und ökonomischer Variablen, (5) Bevölkerung, Umwelt und wirtschaftliche Entwicklung.
Schwerpunkt 1: Alters- und verweildauerstrukturierte Modelle
Modellierung der altersspezifischen Arbeitsnachfrage und Humankapitalentwicklung auf Firmenebene, Modellierung der optimalen Gesundheitsinvestition auf Individual- und Makroebene, Modellierung der HIV/AIDS-Problematik, deren Inzidenz und Prävalenz klarerweise nicht nur altersabhängig ist, sondern auch epidemiologischen "Feedback"-Charakter trägt.
Schwerpunkt 2: Agentenbasierte Modellierung und soziale Interaktionen in der Demographie
Untersuchen des Effekts sozialer Interaktionen auf die Humankapitalinvestition in Kinder
Modellierung des Heirats- und Fertilitätsverhaltens basierend auf mikrofundierten Entscheidungen von Individuen und sozialen Interaktionsmechanismen
Schwerpunkt 3: Demographische Alterung und Arbeitsmarkt
Untersuchung der Auswirkung demographischer Alterung auf Arbeitskräfteangebot, Produktivität und Wirtschaftswachstum.
Weitere Ergänzungen zum Forschungsspektrum
Gesundheit und Pflegebedürftigkeit im Alter:
In Österreich ist dieser wichtige Forschungsbereich, der inhaltlich eng mit der
Demographie zusammenhängt, kaum entwickelt und derzeit an keiner Institution prominent
vertreten. Neue Aktivitäten könnten der Vernetzung einzelner in diesem Bereich
bereits aktiver Forscher dienen.
Migration und Demographie ethnischer Minoritäten:
Die Populationsdynamik von Einwanderergruppen in Österreich stellt eine zentrale
Forschungsfrage im Bereich der Migrationstheorie dar. Zusätzlich zur Neuzuwanderung,
muß auch die Tatsache überprüft werden, dass solche Gruppen unterschiedliche
Mortalitäts- und Fertilitätsmuster aufweisen. Da die Anwendung der Multi-Status-Methoden
eine spezielle, in Europa fast einmalige Kompetenz des Instituts darstellt, kann auch
ihre Anwendung auf ethnische Minoritäten internationales Neuland bedeuten.
Internationale Prognosen des Humankapitals (Bildungsstruktur der Bevölkerung):
Prognose der Bevölkerung nach der höchsten abgeschlossenen Schulbildung. Ausbau
der Prognose des Humankapitals.